Sauber 4.0

Computertechnik zur Unterstützung der Betriebsführung

 

Als der Computer sich vor gut dreißig Jahren anschickte, in die Büros des Gebäudereiniger- Handwerks Einzug zu halten, war er zunächst kaum mehr als eine Kombination von Schreib- und Rechenmaschine, die sich einmal Erfasstes sicher und richtig merken konnte. Heute ist aus dem Gerät ein Multifunktionsinstrument geworden, mit bis noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehaltenen Eigenschaften. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir uns auf globaler, nationaler, regionaler oder lokaler Ebene bewegen oder im Rahmen eines Unternehmens, das Gebäudedienstleistungen erbringt.

 

Chancen digitaler Techniken

Die Entwicklung digitaler Techniken ist auf allen Ebenen mit einer Vielzahl unternehmerischer Chancen verbunden. Herausragende Beispiele dafür sind das explosionsartige Wachstum der Computer- und Chiphersteller, der Softwareanbieter und der sozialen Netzwerke. Für die Gebäudereinigung und damit verbundene Dienste bietet die Digitalisierung ständig neue Chancen: zur Einsparung von Reinigungsmitteln, zur schnelleren Abwicklung von Prozessen, zur Annäherung an das Ziel der bedarfsorientierten Reinigung, zur Senkung von Personalkostenanteilen, zur Reduzierung von Logistikkosten, zur Überwachung gesetzlicher und behördlicher Regelungen und nicht zuletzt zur sicheren und nachvollziehbaren Erbringung auftragsentsprechender Arbeiten. Die Chancen der Digitalisierung liegen aber auch beim Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit, wenn es beispielsweise gelingt, über soziale Netzwerke und eigene Auftritte im Internet neue Kundenkreise zu erschließen oder wenn potenzielle Auftraggeber die computerunterstützte Abstimmung von Dienstleistungen fordern und dazu eine bestimmte digitale Infrastruktur über Netzwerke und Clouds notwendig ist.

Risiken des digitalen Wandels

Das größte Risiko dürfte darin zu sehen sein, sich nicht mit dem ständig wachsenden Angebot an digitalen Möglichkeiten auseinanderzusetzen und darauf zu vertrauen, dass die bisher gelebte Unternehmensorganisation auch weiterhin einen stabilen Rahmen bietet. Die Tatsache, dass sich Unternehmen der Digitalbranche massiv im Automobilmarkt tummeln und damit traditionelle Strukturbilder auf den Kopf stellen, mag als Beispiel dafür dienen. Risiken können ebenfalls im Verhalten der Auftraggeber, im baukonstruktiven Bereich, im zunehmenden Aufkommen automatisierter und extern überwachter Reinigungstechnik, in Servier- und Abräumrobotern, in der nutzergesteuerten Abwicklung von Prozessen, in selbstreinigenden Toiletten, im Auftauchen global agierender Wettbewerber, in der fehlenden Kompetenz beim Umgang mit Daten und neuen Arbeits- und Arbeitszeitmodellen bei Auftraggebern liegen. Der rasche Wandel in allen Lebensbereichen, ein ständig sich veränderndes Angebot an digital basierten Techniken und Organisationsformen und demografisch bedingte Veränderungen bei Nutzerinnen und Nutzern, Entscheidungsträgern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sorgen für permanente Bewegung im Wechsel von Risiken und Chancen. Um keine Nachteile zu erleiden ist es sinnvoll, sich mit relevanten Möglichkeiten auseinanderzusetzen, die bereits in geeigneter Form zur Verfügung stehen oder die in absehbarer Zeit zu erwarten sind.

Selbstständige Reinigungsmaschinen

Mit Sensoren ausgestatte Staubsauger, die ihr Sauggut an stationären und mobilen Stationen abladen, sich rechtzeitig mit elektrischer Energie versorgen und mit Teppichen, Vorhängen und umherliegenden Kabeln umgehen können, befinden sich in einem Entwicklungsstadium, das die professionelle Nutzung in vielen Einsatzbereichen zulässt. Ähnliches gilt für Automaten unterschiedlicher Größenordnung, die Bodenbeläge feucht wischen. Die Eignung für bestimmte Anwendungen ist jedoch nicht von vorneherein immer gegeben. Es empfiehlt sich daher Probeanwendungen durchzuführen, ehe man größere Investitionen tätigt. Da mit einem derartigen Systemwechsel auch neue Verfahrensweisen bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einzuüben sind, Reinigungen attraktiv werden können, wenn in Gebäuden keine Beschäftigten mehr anzutreffen sind, und elementar neue Reinigungsstrukturen entstehen, zum Beispiel Toiletten und Küchen wie bisher manuell, Böden automatisiert gereinigt werden, ist es nicht mit Investitionen in die Ausstattung von Einsatzstellen getan. Auch Kalkulationen, Einsatzzeiten, Revierpläne, Flächenleistungen und Reinigungsmittelmengen sind zu überarbeiten. Vorteile liegen in einer Produktivitätssteigerung und einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Zusätzlich lassen sich über Fernsteuerungen oder Auslösung von Reinigungsleistungen durch den Kunden oder die Nutzerinnen und Nutzer individuelle Zusatznutzen realisieren, ohne dass dafür zusätzliches Personal bereitgestellt werden muss. Denkbar ist der begleitende Einsatz von Drohnen und Sensoren, die beim Erreichen bestimmter Messwerte Staubsauger und Wischroboter auf die Reise schicken.

Wischmopptaxi und Dackelwagen

Ein großer deutscher Automobilhersteller erprobt gemeinsam mit einem Paketzusteller den Einsatz selbstständig fahrender „Taxikisten“, die ihre Basis in einem Kleintransporter haben und nach digitaler Anweisung in einem großen Radius von mehreren Kilometern Ladungen auf öffentlichen Verkehrswegen zustellen und abholen, die aus benutzten oder gewaschenen Mopps, Staubtüchern, Ersatzbürsten oder Reinigungsmitteln bestehen können. In nicht allzu langer Zeit kann mit automatisierten Übergabestationen an Einsatzstellen gerechnet werden. - 3 - n Wer die Schwierigkeiten von Lieferungen in Städten kennt, wird schnell die mit dem Wischmopptaxi verbundenen Vorteile schätzen. Im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel und der damit verbundenen Notwendigkeit, für immer mehr Menschen, die auf Rollstühle, Elektromobile und Rollatoren angewiesen sind, barrierefreie Infrastrukturen im öffentlichen Raum zu schaffen, ist mit einer spürbaren Verbesserung der Einsatzmöglichkeiten zu rechnen. Der „Dackelwagen“ ist ein batteriebetriebener Reinigungswagen, der einer Reinigungskraft in einem bestimmten Abstand ständig folgt oder auf Knopfdruck zur Reinigungskraft kommt. Die Straßenvariante „Wischmopptaxi“ und die inhouse- Lösung „Dackeltaxi“ befinden sich noch in der Testphase.

Drohnen in der Gebäudedienstleistung

Im Einsatz sind Drohnen bereits in der Begutachtung von Fassaden und bei der Analyse von Flächen. Möchte man wissen, ob ein Parkplatz gesäubert werden muss, lässt man eine Drohne aufsteigen und bekommt so ein präzises Bild darüber, ob die Kehrmaschine oder der Schneepflug ausrücken muss. Noch keine Routine gibt es beim Einsatz mit Kamera bestückten hubschrauberartigen Fluggeräte im Inneren von Gebäuden, etwa wenn zur Realisierung einer bedarfsorientierten Reinigung eine Vielzahl unterschiedlicher Räume begangen werden muss. Es dürfte allerdings nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die ersten erfolgreichen Versuche umgesetzt sind. Von besonderem Interesse dürfte das Projekt einer Universität sein, eine Drohne zu entwickeln, die selbsttätig Fenster und Fassaden reinigt.

Big Data und Verhaltensüberwachung

omputertechnik erleichtert die Erfassung einer bisher kaum zu bewältigender Datenmenge aus Einsatzstellen, Nutzerverhalten in bestimmten Gebäudeteilen, zu bestimmten Jahreszeiten, aus meteorologischen Daten, Gebrauchs-/Verbrauchsverhalten, Abfallaufkommen, Schmutzeintrag, Schmutzwasserscreening, Kantinennutzung, Hygieneverhalten, Mobilitätsverhalten, Staubentwicklung, Leistungs- und Anwesenheitsnachweisen. Daraus lassen sich durch Verknüpfungen Informationen zur Optimierung der Personalverfügbarkeit gewinnen, etwa beim Reinigungsbedarf nach unterschiedlichen Veranstaltungen. Zur digitalen Zukunftsplanung gehören daher auch Datenerfassungsgeräte wie Sensoren und Anwesenheitsmelder.

Überwindung von Sprachproblemen

Mangelnde Verständigungsfähigkeit ist bei einem hohen Mitarbeiteranzahl mit Migrationshintergrund an der Tagesordnung. Hier bietet die Digitaltechnik Hilfe, etwa mit Übersetzungsprogrammen, auf die man eine Frage eintippt und die Antwort in der gewünschten Sprache erhält. Etwas anspruchsvoller, aber nicht immer funktionsfähig ist die Spracheingabe. Sprachprobleme lassen sich aber auch durch die Technik der augmented reality reduzieren. Dabei werden in eine Datenbrille, auf einen Bildschirm oder an die Wand eines zu reinigenden Raumes Informationen zu den notwendigen Maßnahmen so eingeblendet, dass sie unmittelbar in der Zeit wahrgenommen werden.

Nicht jeder Mode nachlaufen

In der Geschichte der Digitalisierung der Gebäudedienstleister gab es viele Heilsversprechen, aber auch viele Reinfälle. Eines ist aber sicher: Wir sind in digitalen Netzwerken gefangen und gefordert, uns damit auseinanderzusetzen. Bisher waren diejenigen erfolgreich, die mit guter und reiflicher Überlegung und Vorbereitung entschlossen innovative Techniken eingesetzt haben. Dies ist auch für die Zukunft zu erwarten.

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Geschäftsführer Michael Zwisler
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Sekretariat Beate Meyer

Gebäudereiniger-Innung
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